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Nachwuchstalent Aline Petry: Hoch hinaus und schnell im Kreis PDF Drucken
Geschrieben von: Holger Teusch   

Quelle: Artikel aus dem TV vom 11.07.2012: www.volksfreund.de/3216632

Mit Susanne Kessler aus Wintrich und Aline Petry aus Haag haben sich erstmals zwei 400-Meter-Läuferinnen aus dem Kreis Bernkastel-Wittlich über 400 Meter für die deutschen Jugendmeisterschaften qualifiziert. Die 17-Jährige Petry wird außerdem zweimal im Mehrkampf um nationale Titel kämpfen. Ferien! Urlaub? Nicht für Aline Petry. Die 17-Jährige aus Haag im Hunsrück arbeitet seit Ferienbeginn. Nicht für Geld, sondern an ihrer Form. Denn die Schülerin des Bernkastel-Kueser Nikolaus-von-Kues-Gymnasiums hat sich im Frühjahr einen Traum erfüllt. Im Grunde sogar drei. Dreimal hat sich die Leichtathletin des SFG Bernkastel-Kues für deutsche Meisterschaften qualifiziert.

Die vielleicht größte Herausforderung erwartet Petry am dritten Juli-Wochenende (20. bis 22. Juli) bei den deutschen Jugend-Einzelmeisterschaften in Mönchengladbach. Sie ist die viertschnellste 400-Meter-Läuferin "aller Zeiten" aus dem Kreis Bernkastel-Wittlich. Bei den nationalen Titelkämpfen der Unter-18-Jährigen (U18) wird sie es allerdings schwer haben. "Mit dem Finale rechne ich nicht. Aber meine Bestzeit würde ich gerne steigern", sagt die 17-Jährige, die sich Anfang Juni auf der Stadionrunde als Rheinland-Jugendmeisterin auf 58,72 Sekunden steigerte. Nur Carmen Werner (PSV Wengerohr), die vor sieben Jahren in 57,13 Sekunden Kreisrekord lief, Beatrix Gerdes (Wittlicher TV/57,6 Sekunden im Jahr 1978) und Susanne Kessler (58,49) waren im Kreis Bernkastel-Wittlich bisher schneller. Bezirksrekord lief 1990 Jeannette Ewen (Post-SV Trier) mit 56,87 Sekunden.

Das Verhältnis zwischen Petry und der drei Monate älteren Kessler ist ein freundschaftliches. "Na klar ist es da auch Konkurrenz. Aber im Training hilft es unglaublich, sich gegenseitig ziehen zu können. Ich habe mich auch total gefreut, als Susanne die Quali geschafft hat", sagt Petry über die Sprinterin vom SV Wintrich, die mehrmals pro Woche mit ihr beim SFG Bernkastel-Kues trainiert.

Zur Leichtathletik kam Petry durch die Schule. Ihr Sportlehrer Christof Simon habe gemeint, sie habe Talent und schickte Petry 2008 zu SFG-Leichtathletiktrainer Wolfgang Baum. "Das Training hat mir sofort Spaß gemacht", erinnert sich Petry. Laufen in allen Variationen, mit und ohne Hürden, Sprünge, weit, hoch und mit Stab, Werfen mit Ball, Speer und Diskus, die Vielfalt macht für sie einen Reiz der olympischen Kernsportart aus.

Kein Wunder, dass sie besonders den Siebenkampf mag. Ebenfalls als Rheinlandmeisterin erzielte Petry Mitte Juni 4557 Punkte - so viele, wie noch keine Athletin aus dem Kreis zuvor. Außerdem Norm für die Mehrkampf-DM, die im August in Hannover stattfindet. Was ist das Tolle am zwei Tage lang dauernden Vielseitigkeitswettbewerb? "Man kann den Schwung von einer Disziplin in die nächste mitnehmen", sagt Petry. Und: Eine schlechte Leistung in einer Disziplin könne man mit einer guten Punktzahl in einer anderen ausgleichen. Das gilt auch für den etwas exotischen Leichtathletik-Fünfkampf des Deutschen Turner-Bundes. Bei dieser deutschen Meisterschaft im September hat Petry sogar Medaillenchancen.

Turnen war eine der ersten Sportarten, die die Hunsrückerin ausgeübt hat. Ein bisschen Artistik ist in der Disziplin gefragt, in der Petry sogar den Bezirksrekord hält. Zweimal, auf nun 3,10 Meter verbesserte sie in diesem Jahr die regionale Bestmarke im Stabhochsprung. "Schon als ich klein war, habe ich die Stabhochspringerinnen bewundert. Es ist eine total interessante Disziplin, die mir auch riesig Spaß macht", sagt die 17-Jährige. Das Vertrauen in den Stab zu setzen und aus mehr als drei Metern höhe herabzufallen koste aber auch Überwindung und erfordere Mut. "Wenn man den Stab falsch greift und abrutscht, liegt man schnell am Boden", erklärt Petry.

Mehr als zehn Jahre lang spielte die 17-Jährige außerdem beim SV Haag Volleyball. Baggern und Bridgen, zumindest im Ligabetrieb, hat sie schweren Herzens zugunsten der Leichtathletik weitgehend aufgegeben. "Zwei Sportarten und Schule, das war zu viel", sagt Petry. An manchen Tagen kommt sie nach Schule und Training erst nach acht Uhr abends nach Hause. Und dann müssen noch Hausaufgaben erledigt werden. "Es ist schon manchmal stressig, aber machbar", sagt die Gymnasiastin, die ihre schulische Leistung als "normaler Durchschnitt" einstuft. Ihre Leistungsfächer: Mathematik, Deutsch und - natürlich - Sport.

Um die Belastung nicht so hoch groß werden zu lassen, steht demnächst eine weitere Spezialisierung an. Auf der Stadionrunde sehen Petry und Baum das größte Entwicklungspotenzial. Dabei sei ihr erster Start über 400 Meter zu Saisonbeginn eigentlich nur ein Test gewesen, erklärt die Sportlerin. Die Laufdisziplin bietet aber auch den Vorteil, dass Petry mehr Trainingseinheiten im heimischen Haag absolvieren kann und nicht jedes Mal nach Bernkastel-Kues fahren mus. Zumindest für die Grundlagen benötigt sie dann anders als für Weit- oder Hochsprung keine spezielle Sportanlage. teu